Die “London Riots” als mathematisches Problem?

Hannah Fry wird auf der diesjährigen re:publica einen Vortrag über die Entstehung und Verbreitung von sozialen Unruhen halten. Anhand der “London Riots” im Jahr 2011 möchte sie aufzeigen, dass klassische Modelle aus der Mathematik eine Möglichkeit bieten, soziale Unruhen vorherzusagen und deren Ausbreitung zu verhindern.  Hierfür vergleicht sie etwa Bewegungsprofile von Konsumenten in der Stadt mit den Bewegungen der Demonstranten. Als Erklärung für die Interaktion zwischen Polizei und Jugendlichen werden z.B. die Lotka-Volterra-Gleichungen herangezogen. Die Ausbreitung der Unruhen wird über Theorien der Ansteckung bzw. Übertragung erklärt.  Hierbei wird auch eine teils fragwürdige Semantik verwendet, die Begriffe aus der Epidemiologie (“viral”, “contagion”) auf soziale Phänomene anwendet, wodurch die Gewalt in London zu einem pathologischen Problem umgedeutet wird. Dadurch treten die sozialstrukturellen Ursachen und Motive für die Unruhen leider völlig in den Hintergrund. Ich halte diese Art der Beschreibung und Erklärung von sozialen Ereignissen und Gruppen deshalb für fragwürdig und hoffe, dass ich demnächst persönlich die Möglichkeit haben werde, mit ihr darüber ins Gespräch zu kommen.